Die gegenwärtige und zukünftige Beziehung zwischen der Pharma- und Biotech-Industrie

Dr. Peter Heinrich, Vorstandsvorsitzender
BIO Deutschland e.V.

Für mindestens ein Jahrzehnt hat jeder Beobachter, der die Life Science Industrie aufmerksam verfolgt hat, zwei Tatsachen feststellen können: Zum Einen haben die großen Pharmaunter-nehmen damit zu kämpfen, ihre Forschungspipelines aufzufüllen, während gleichzeitig ihre Pa-tente auslaufen und dazu unternehmensinterne Programme scheitern. Zum Anderen kommen von den Biotech-Unternehmen häufig die besten Ideen für neue Medikamente. Diese haben aber fortwährend mit finanziellen Engpässen zu kämpfen.

Bedingt durch diese gegenseitige Abhängigkeit haben Pharma-Firmen und Biotechs seit den 80er Jahren unzählige Kooperationen abgeschlossen, meistens auf den Eigennutzen der Pharma-Unternehmen ausgerichtet.

Nun ist der Zeitpunkt erreicht, das Verhältnis zwischen Pharma und Biotech neu zu definieren und auf faire Partnerschaft ausgerichtete Kooperationen zu formen. Denn die gegenseitige Ab-hängigkeit ist grösser geworden. Die Pipeline-Krise der Pharma-Industrie hat sich zugespitzt und die anhaltende Finanzkrise hat viele Biotech-Firmen in Bedrängnis gebracht. Leider gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Biotech-Projekten im fortgeschrittenen Stadium. Als Ausweg steigen Pharma-Firmen schon in früheren Phasen in Kooperationen mit Biotechs ein. Dadurch wird den knapp finanzierten Biotech-Unternehmen die Möglichkeit gegeben, in einem schwierigen Eigen-kapitalmarkt ihre Innovationen voranzutreiben.